Medial inkontinent VS Privatsphäre

Im Internet ist nichts Privat

Meine Tochter war ein gutes Jahr alt, als meine Schwester und gleichzeitig ihre Patentante zu Besuch kam. Man trank Kaffee im Garten, schnackte eine Weile und verfiel auf die Idee, sich blödsinnig zu verkleiden. Viel Gelächter: meine Tochter ausstaffiert mit Hut und riesiger Sonnenbrille. Fotos wurden geschossen.

Ein paar Tage später erwähnte eine Freundin, meine Schwester habe die Fotos des Besuchs – und also auch die meiner Tochter – auf einer namhaften „social“ media-Plattform gepostet. Ich war sprachlos und wütend von dem Gefühl, einem Sachverhalt ausgeliefert zu sein, in meinen Bedürfnissen übergangen worden zu sein und meine ureigensten Überzeugungen ignoriert zu wissen. Nach einem kurzen und heftigen Telefonat hat meine Schwester die Fotos wieder gelöscht.

Warum aber will ich nicht, dass Bilder meiner Tochter durch das Netz geistern und dort von jedem Menschen, der Zugang zum Internet hat, betrachtet werden können? Sie ist doch so entzückend! Und wenn es auch eine Binsenweisheit ist, dass das Internet eine gewisse Unübersichtlichkeit in sich birgt, stellt sich mir die Frage: Wer schaut sich diese Bilder an? Vielleicht ist es ja sogar ein Perverser, der sich – freilich ohne mein Wissen und ohne die Chance, dies je mitzukriegen – mit einem solch entzückenden Kinderbild Lust verschafft?

Früher, ich kenne es auch nur aus Berichten von Menschen, die ein paar Jahre älter sind als ich, hat man sich sogar geweigert, bei der Volkszählung die Türe zu öffnen und somit etwas von sich und seinem engsten Umfeld preiszugeben. 

Heute dagegen scheint es für viele von uns völlig normal zu sein, bei jeder Gelegenheit kurz darüber zu berichten, was wir gerade tun oder wo wir uns befinden. Und immer dabei: Fotos und Filme. Eine unüberschaubare Bilderflut stürzt auf Bildschirme und Server ein. Die Tatsache, dass sie – einmal publiziert – unwiderruflich in den öffentlichen Raum gebannt sind, macht sie unkontrollierbar. All die neuartigen digitalen Errungenschaften, die uns das Leben erleichtern und uns miteinander verknüpfen sollen, sind nur für die wenigsten von uns durchschaubar. Wir wissen kaum, was mit unseren Daten passiert und wem sie zugänglich sind. Gesichtserkennung und Standortbestimmungen sind wohl erst der Anfang der medialen Datenkrake, die uns im Interesse von Konzernen und Institutionen oder von wem auch immer zu manipulieren sucht. Auch ein Mehrwert für die viel gepriesene Sicherheit ist nicht unmittelbar erkennbar. 

Die einzige Möglichkeit, uns vor dem Missbrauch unserer Daten zu schützen, besteht darin, bewusst und kritisch mit ihrer Herausgabe zu verfahren.

Niemand kann verbal und medial inkontinenten Menschen verbieten, die Erfahrungen, Aktivitäten und Erlebnisse der eigenen Familie öffentlich darzustellen. Doch sollten wir uns darüber im Klaren sein, wo die Grenzen des Privaten zu ziehen sind. Ich selbst kann entscheiden, ob ich mein Konterfei in die unergründlichen Weiten des Äthers werfe. Doch Kinder sind in ihrer Unmündigkeit für sich selbst nur begrenzt verantwortlich. Die Verantwortung tragen wir. Und es geht niemand Fremdes etwas an, wer meine Kinder sind und wie sie aussehen. Sie können nicht darüber urteilen, ob Fotos oder Filme von ihnen auf fremden Bildschirmen in ihrem Sinne sind. Hier fängt echter Datenschutz an.

(Autorin: Katrin Kappenstein)
 


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