Kartoffel im Eimer - Kartoffel ist im Eimer

KartoffelsackAlles im Eimer
2013 wurde die erste Hobbyfarmer Facebook-Gruppe von Susanne Umbach gegründet. Es folgten Gruppen wie www.Hobbyfarmer-und-Selbstversorger.de / Die-Selbstversorger.de / Hobbyfarmer und Selbstversorger und so weiter und so weiter. Viele Menschen kommen täglich in die genannten Gruppen, teilen fleißig Ihre Erkenntnisse, sprechen über Sorgen, Ihre Ernteerfolge und posten Rezepte. Der Trend zur Selbstversorgung ist ungebrochen!

Ein "Gruppenthema" beschäftigt seither in gewisser Regelmäßigkeit die Phantasie der Hobbyfarmer. Die "Kartoffeln im Eimer" geistert immer mal wieder durch das Facebook Selbstversorger Nirvana. Voller Euphorie, wurde getestet, Eimer und Zuchthilfen gekauft und der Balkon zum eigenen Kartoffel-Labor umfunktioniert. Keiner will mehr durch Körpereinsatz die Kartoffel anhäufeln - neue Wege sind daher gefragt. Jeder möchte seine eigenen Kartoffeln im Vorgarten unter Stroh oder auf der Terrasse aus dem Eimer ernten.

Allerdings nicht nach Väter Sitte. Das ist zu profan. Sondern getreu der Devise – Schneller, höher, weiter - aber auf jeden Fall moderner als meine Ahnen aus der Kartoffelsteinzeit.

Am Ende war man sich jedoch Gruppenübergreifend einig: "Kartoffeln im Eimer – sind am Ende im Eimer"!

Ob jetzt mit Hilfe des Kartoffelzuchteimers – der sogenannten Saatkartoffel, dem Komposteimer oder sonstigen netten Ideen.

Das Konzept ging am Ende zu Gunsten der Erkenntnis auf: „Die Erfahrung ist der Lohn - und der Kartoffelzuchteimer der Hohn“!

 
  • Strohkartoffel
  • Kartoffelturm angegangen
  • Kartoffelturm-trocken
  • Kartoffel-Turm
Die Kosten- Nutzen Rechnung funktioniert nicht. Die Gefahr einer möglichen Missernte schwebt wie ein Damoklesschwert immer über dem „Plastikeimerlandwirt“. Insgesamt bis zu 70% weniger Ertag, viel Arbeit beim Bau der Kartoffeltürme und der hohe Wassereinsatz rechtfertigen den Aufwand nicht! Da bist du besser bedient, bei deinem Bauern um die Ecke oder bei deinem Bio-Bauern deines Vertrauens einzukaufen.

Anders bei dem Biodynamischen Kartoffelanbau. Hier wird die Kartoffel nicht unter Stroh gelegt und auch nicht im Plastikeimer auf der Terrasse dem Nachbarn gezeigt. Im Biodynamischen Anbau wird die Anbaufläche auch nicht regelmässig gegossen, denn das ist nicht nötig.

Kartoffel giessen verteuert den Anbau und der virtuelle Wasserverbrauch bzw. Wasserfußabdruck ist zu stark.

„Deutschland liegt mit einem Ertrag von 11 Mio. t Kartoffeln weltweit an sechster Stelle der Kartoffelerzeuger. Rund 2 Mio. t werden sogar exportiert. Der ökologische Unsinn liegt nun darin begründet, dass etwa 130.000 t Frühkartoffeln importiert werden. Das ist insofern überflüssig, da die heimischen Knollen sich problemlos bis ins Frühjahr lagern lassen. In ihrem Wasserfußabdruck finden sich nur 8 l Bewässerungswasser, den Rest des Bedarfs decken wie bei mir - die Niederschläge. Frühkartoffeln aus Ägypten, Israel oder Marokko bilden die Preis Konkurrenz. Die Art und Weise, wie sie produziert werden, gibt jetzt allerdings zu denken, denn in vielen Regionen werden die Wasservorräte schon bald unwiederbringlich geplündert sein.

Biodynamik erfordert allerdings mehr eigenen Körpereinsatz als manch avantgardistische Gartenidee und lässt zeitlich weniger Freiräume für Gartenpostings. Mulchen ersetzt Düngemitteleinsatz und Regenwürmer lockern den Boden und ersetzen bei mir das Umgraben. Durch das Häufeln der Kartoffel bietet sich das günstigste Verhältnis an Flächenwärme, Regenauffangfläche und bin frei von Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden sowie Plasikschrott – denn den gibt’s ja schon satt in unseren Weltmeeren. Die horizontale Anbaufläche mit dementsprechend besseren Bodenbedingungen, lässt die Kartoffeln größer werden und der Ertrag ist höher. Ich nehme dazu eigene Alte Kartoffelsorten wie Ackersegen, Cheyenne, Bamberger Hörnchen und Linda. D.H ich verzichte schmunzelnder Weise auf sogenannte "Saatkartoffeln" aus dem Baumarkt oder aus der Raiffeisen Genossenschaft.

Mein Tipp:
Solidarisiere dich mit kleinen Genossenschaften aus deiner Region. Statt sich auf der Terrasse einen abzubrechen oder Obst & Gemüse vom anderen Ende der Welt zu konsumieren: „Werde Teilhaber eines Bauernhofes“. Dabei ist die Idee, dass sich Mehrere Haushalte einen Bauernhof teilen und dafür erhalten Sie wöchentlich regionale und saisonale Bio-Lebensmittel.

Oder mach’s wie früher!
 

Mein ganz besonderer Dank geht an: Angèle Brehme von "délices et vins" für die Bilder Ihrer Kartoffelkreationen